
23.07.2005
Hubert Fröhlich gestorben -
Ein Nachruf.


Am Freitag, dem 22.07. verstarb
Hubert Föhlich mit 76 Jahren in
Herrsching bei München. Er war
Produktionsleiter und arbeitete 1968
in dieser Funktion an "On Her
Majesty´s secret service" mit.
Beauftragt mit der Suche nach einem
geeigneten Drehort für Blofelds
Bergfestung Piz Gloria fand er nach
größeren Hürden schliesslich
das Schilthorn im Berner Oberland.
Der Fund sollte sich als goldrichtig
erweisen, EON zeigte sich
begeistert, und so wurden der Berg
und der dazugehörige kleine
aber feine Ort Mürren im
Handumdrehen Schauplatz des ersten
und letzten Bondfilms mit George
Lazenby. Huberts Aufgaben waren
dabei vor allem
organisatorischer Natur. Er sorgte
für Arbeitsplätze, da man jede Menge
Personal des Ortes und der Umgebung
benötigte. Er musste Schnee
besorgen, wo keiner lag,
Fluggenehmigungen einholen und
vieles mehr. Dabei hatte Mürren es
ihm so angetan, dass er dort fortan
bis zuletzt einen zweiten Wohnsitz
hatte, das Chalet Uhu. Hubert hat in
all den Jahren Bondtouren unter
seiner Führung gestaltet, denn
keiner konnte den Touristen besser
erklären, was während der
Dreharbeiten stattfand, als er.
Mit Cubby Broccoli, John Glen, Peter
Lamont und John Mitchell hatte er
noch Jahre nach den Dreharbeiten
Kontakt, ebenfalls mit Richard
Attenborough, mit dem er in
den 60er Jahren einen weiteren
Klassiker drehte: Gesprengte Ketten.
Eine besondere Freundschaft verband
Hubert mit Steve McQueen, mit dem er
einige Filme machte. Bei einer
berühmten Explosionsszene in Bullitt
war Hubert massgeblich an der Orga
beteiligt. Die "Glorreichen 7" war
ebenfalls einer der
gemeinsamen Filme.
Was 007 für die Briten war, das war
in den 60er Jahren Jerry Cotton für
Deutschland. Hubert war das einzige
Bindeglied beider Reihen. Gleich
beim ersten Cotton Streifen Schüsse
aus dem Geigenkasten fungierte
Hubert abermals als
Produktionsleiter und übersetzte das
Drehbuch für Hauptdarsteller George
Nader vom Deutschen ins Englische.
Hubert war mehrsprachig, was bei
internationalen Produktionen von
enormem Vorteil war.
Weitere Filme, an denen Hubert als
Produktionsleiter oder in ähnlichen
Funktionen arbeitete, waren
"Hi-Hi-Hilfe" mit den Beatles,
"Royal Flash", "Le Mans" oder "Der
Adler ist gelandet", um eine Auswahl
zu nennen.
Bondfans aus aller Welt schrieben
ihm, trafen ihn. Er liebte es, immer
und immer wieder von den OHMSS
Dreharbeiten zu erzählen.
Im Jahr 2000 fand in Mürren
und auf dem Schilthorn eine
Veranstaltung des Schweizer Klubs
und dem BKD statt, zu der Hubert als
Ehrengast geladen war. Bei dieser
Gelegenheit wurde erstmals der Film
auf dem Schilthorn direkt im
Panorama-Saal gezeigt, wenn auch
erst ab den Schweiz Szenen.
1998 gab es eine beeindruckende Bond
Ausstellung in Hildesheim, zu der
Hubert ebenfalls im Rahmen eines
Vortragsabends erschien. Mit
Hildesheim verband er auch seine
Vergangenheit, hier hatte er sein
Abitur gemacht. Ursprünglich stammte
er aus Oberschlesien, studierte
später Medizin in Frankfurt. Er übte
den Arztberuf dann jedoch nicht aus
und arbeitete u.a. als Reiseleiter.
Zum Film kam er per Zufall. Man
suchte Komparsen bei einem Dreh in
Spanien, er meldete sich. Dann fiel
der Produktionsleiter aus. Hubert
regte an, den Job übernehmen zu
wollen, man könnte es ja einfach mal
mit ihm versuchen. Am Ende der
Dreharbeiten hatte er es geschafft
das Budget unter der veranschlagten
Summe zu halten!
Hubert Fröhlich las gerne, Bücher
wie Tageszeitungen. Einen Fernseher
hatte er in seinem Chalet in der
Schweiz nicht, das Radio war ihm
viel lieber. Hubert hat ausser OHMSS
keinen Bondfilm gesehen, sie
interessierten ihn nicht sonderlich.
Er hinterlässt seine Lebensgefährtin
und seinen geliebten Hund.
Das Bild stammt
vom
James Bond Club Schweiz.