
24.02.2004
Casino Royale kein Period
Piece - Neue Enthüllungen vom
Autorenduo Purvis & Wade

Neil Purvis
und Robert Wade
|
Noch vor wenigen Wochen, nach
Martin
Campbells spektakulärem Interview,
wurde darüber spekuliert, ob Casino
Royale ein sogenanntes "period
piece" wird, sprich einen festen
Zeitraum in der Vergangenheit
bekommt, in dem der Film spielen
wird.
Dank eines Interviews mit Neil
Purvis und Robert Wade, den
Drehbuchautoren von "Die Welt ist
nicht genug", "Stirb an einem
anderen Tag" und nun auch "Casino
Royale", können diese Ängste aber
als unbegründet zurückgewiesen
werden.
In dem Interview mit dem britischen
"Screen International Magazine"
sagten die beiden demnach, dass
Casino Royale eine "sehr
gewissenhafte und originalgereue,
wenn auch aktualisierte Adaption von
Flemings Roman" sei.
Erhalten aus der Originalvorlage
bleiben demnach die sehr infamose
Szene, in der Bond gefangen genommen
und mit Kastration bedroht wird, zu
der Robert Wade meinte: "Falls die
Szene richtig umgesetzt wird, werden
einige Kinobesucher vor Schmerz die
Beine übereinanderschlagen".
Außerdem bleibt der berühmte Satz am
Ende des Romans, nachdem Vesper Lynd
getötet wurde, erhalten: "The Bitch
is dead", in der deutschen Version
übersetzt mit "Das Biest ist nämlich
tot".
Zudem soll die Action laut den
Autoren "realistischer" werden, Bond
weniger auf seine One-Liner, also
die vielen ironischen Bemerkungen,
angeweisen sein.
Auch auf die Frage, wie denn nun
Martin Campbells Aussage, der Film
beschäftige sich mit Bonds Frühzeit,
zu verstehen sei, wo doch der Film
kein "period piece" sei, gingen die
Autoren ein. "Es geht darum", so
Robert Wade, "wie Bond emotional so
hermetisch abgeriegelt wurde.
Momentan es ist eine sehr
gewissenhafte, originalgetreue aber
zur gleichen Zeit aktualisierte
Version des Romans. Das Buch erzählt
die Geschichte eines Zwischenfalls,
der James Bond zu einem
Geheimagenten macht. Nun gibt es
einen Film-Bond, den jeder kennt,
und wir dachten uns, es wäre doch
großartig zu wissen, wie Bond das
wurde, was er ist. Trotzdem wird der
Film in der Gegenwart spielen,
obwohl er so etwas wie ein Prequel
wird. Das ist sozusagen das
Kunststück, welches wir
fertigbringen müssen. Wir können
kein 'period piece' machen."
Reflektierend über die Möglichkeiten
wie Einschränkungen des
Fleming-Romans meinte Wade: "Der
Roman hat nicht den globalen Blick
und das Level an Action, wie der
Kinogänger James Bond kennt. Daher
haben wir die Vorlage etwas geöffnet
und erweitert, haben aber auf der
anderen Seite versucht, die Action
so gering wie möglich zu halten, sie
außerdem zu verteilen. Und alles,
was wir der Vorlage hinzugefügt
haben, dient dazu, einen Kontext zur
Gegenwart herzustellen."
Neil Purvis fügte an, dass die
beiden "nicht mehr auf die alten
Bondfilme zurückgreifen wollen.
Jeder tut das. Wir wollen etwas ganz
Neues machen, das aber gleichzeitig
dem originalen Geist von Bond
sinngetreu ist.
Das Duo wurde auch über den letzten
Film gefragt. Purvis: "Der Film
begann dreckig und schmutzig, glitt
aber alsbald in die Reiche von 'Man
lebt nur zweimal' und 'Moonraker'
ab. Es hat sehr viel Spaß gemacht,
so etwas einmal zu schreiben. Man
kann aber nicht mehr als das machen,
man muss die Filme neu überdenken.
Dann kam uns der Zufall zu Hilfe,
dass Danjaq die Rechte an 'Casino
Royale' gekauft hat, das Timing war
perfekt."
Eine weitere Frage war, ob die
Bondfilme in die Richtung der "Jason
Bourne"-Filme gehen sollten. Wade:
"Nun ja, Bourne lebt in der realen
Welt, wir aber sprechen bei Bond von
einer viel intensiveren,
abgehobeneren Realität. Man möchte
nicht Bourne sein, er geht durch die
Hölle. Es gibt keine Lebensfreude.
Aber man möchte Bond sein. Und das
ist der Unterschied."
Ob wir uns dennoch auf eine so tolle
Mixtur, wie Purvis und Wade sie
beschreiben, auch im Endprodukt
freuen können, bleibt fraglich. Denn
sobald Martin Campbell im Frühsommer
zum Team stößt, könnte sich so
einiges ändern. "Außerdem", so Wade,
"ist es schwierig zu schreiben, wenn
man noch keinen James Bond hat. Man
muss was ganz anderes machen, man
wil nicht für eine Pierce
Brosnan-Imitation schreiben."
all time high hält euch auf dem
Laufenden!