
24.02.2004
Campbell im Interview: Bond
21 spielt zu Beginn von Bonds
Karrierei?!

Martin
Campbell
|
Den heutigen Tag werden sich Fans
des bekannten, des traditionellen
James Bonds, vielleicht einmal rot
im Kalender markieren. Es könnte
sein, dass "Stirb an einem anderen
Tag" der letzte 007-Film war, der
nach der klassischen Rezeptur - Bond
zeitlos in der jeweiligen Gegenwart
spielen zu lassen - hergestellt
wurde.
Im ersten Interview betrefflich
"Casino Royale" seit der
Pressemitteilung vor zwei Wochen
verriet Martin Campbell im Grunde
genommen bahnbrechende Neuigkeiten.
Zur "New York Daily Post" sagte er:
"Im neuen Film beginnt Bond gerade
mit seiner Karriere und ist erst
kürzlich Teil der
Doppelnull-Abteilung geworden."
Was bedeutet dieser Satz konkret?
Denkbar sind folgende Möglichkeiten:
der neue Film bekommt einen festen
Zeitraum, wird ein sogenanntes
"period piece". Denkbar hierbei die
späten 40er bis frühen 60er Jahre.
Andere Möglichkeit: Bond wird
verjüngt und erlebt sein erstes
Roman-Abenteuer auf der Leinwand in
der Gegenwart.
Laut Campbell wird der Film nämlich
auch die Storyline des
ursprünglichen Fleming-Romans
übernehmen - obwohl dieser in den
50er Jahren spielt. "Natürlich wird
es Dinge geben, die wir ändern
müssen. Die Elemente des kalten
Kriegs müssen neu angepasst werden,
aber Casino Royale wird mutiger,
tougher und realistischer werden.
Wir werden von den riesigen Special
Effects wegkommen müssen."
Weiterhin meinte der Neuseeländer:
"Wir hatten die Idee, etwas mehr
Spritzigkeit in Bonds Charakter
zurückzubringen. Am Ende des Films
wird Bond wieder derjenige weise und
harte Bond sein, den wir kennen."
Zusätzlich lässt Campbell sich über
Bonds Affäre mit Vesper Lynd aus
Flemings Roman aus, erzählt in
Kurzform den Verlauf der
Liebesbeziehung im Buch und endet
mit dem Satz: "Ich freue mich, Bond
humanisieren zu dürfen". Die Szene,
in der man Bond in bester S/M-Manier
quält, hält Campbell jedoch nicht
für umsetzbar.
Harter Tobak. Sollten Pierce
Brosnans Behauptungen, den
Produzenten sei nicht klar, wohin
sie die Serie führen wollen, am Ende
doch wahr sein? Sucht man deswegen
einen Schauspieler unter 30 für die
Rolle? Sind daher auch die "üblichen
Verdächtigen" für die 007-Rolle wie
Clive Owen, Hugh Jackman und Eric
Bana bereits zu alt? Möglich. In den
Focus der Öffentlichkeit könnten
daher schon bald Orlando Bloom,
Cilian Murphy, John Rhys-Meyers etc.
rücken. Aber das ist noch alles
Spekalution.
Was all dies konkret für den neuen
Film bedeutet, kann man anhand
einiger Gedankenspiele durchgehen
und festmachen:
- "period piece": Sollte
man sich dafür entscheiden, dem
Film einen festen Zeitrahmen zu
geben, so bricht man mit der
Tradition und Cubby's Grundsätzen
("Bondfilme spielen nicht nur in
der Gegenwart, sondern auch immer
einen Schritt in der Zukunft").
Außerdem gibt man bezüglich aller
Bondfilme ab spätestens 1980 eine
Ohnmachtserklärung ab, denn ab
diesem Zeitpunkt müsste Bond das
Rentenalter bereits erreicht
haben. Kurzum: Alle Filme ab "In
tödlicher Mission" sind demnach
als purer Quatsch anzusehen.
- 3-Filme-Vertrag: Es ist
in Hollywood-Kreisen bekannt, dass
EON seinem neuen 007-Darsteller
einen 3-Filme-Vertrag anbietet.
Wie würde es sich im Falle eines
"period piece" auf den neuen
Darsteller auswirken, dass man ihm
diesen Vertrag offeriert? Spielen
auch die nächsten beiden Filme in
der Vergangenheit? Oder bricht man
dann mit allen zeitlichen
Grundsätzen und Rahmenbedingungen?
- Spekatuläre Meldung?
Ist vielleicht alles halb so wild?
Ist im besten Falle eine Pre-Title
zu erwarten, in der Bond einen
seiner ersten Aufträge ausführt?
Und ist Campbell wirklich so gut
informiert?
Zum einen ist
Bond im CR-Roman 007 schließlich
schon beim MI6 und einer "der
ältesten Agenten", zum anderen
wird Bond durch die Beziehung zu
Vesper nicht so dermaßen aus der
Bahn geworfen, wie Campbell
suggeriert. Vesper ist nicht
Tracy.
-
"Humanisierung"? Man muss
es sehr kritisch sehen,
wenn 007 noch
weiter vermenschlicht wird, damit
bleiben immer mehr die frühere
Leichtigkeit und auch
Belanglosigkeit der Filme auf der
Strecke. Bond ist eben nicht
Bourne, und das ist auch kaum
wünschenswert. Was als positives
Signal völlig fehlt, wäre ein
Hinweis darauf, ob es denn mal ein
waschechter Spionagethriller im
Bond-Gewand wird. Campbell sagt
nur, dass man von den visuellen
Spielereien weg will.
Viel Anlass zu Spekulationen also.
Für welchen Weg man sich letztlich
bei EON entschieden hat: all time
high wird's euch verraten. Wir
bleiben dran!
Mit herzlichem Dank an
Markus Breitfelder und Jörg Pape.