12.09.2004
Ausgebrüllt: Sony kauft MGM, Bond-Rechte werden in separatem Deal vergeben


Nachdem es noch vor zwei Tagen hieß, der Medienkonzern Time Warner habe MGM bereits gekauft, kam am Ende doch alles ganz anders. Am gestrigen Montag zog Time Warner sich überraschen-derweise aus dem Projekt zurück und öffnete alle Türen für den einzig verbleibenden Konkurrenten um den Kauf von MGM, Sony Pictures. Nun ist es in der vergangenen Nacht zu einer Einigung der beiden Studios gekommen: Der japanische Elektronikriese steht an der Spitze einer Investorengruppe, die das Hollywood-Studio für knapp 4,8 Milliarden US-Dollar kaufen wird.

Das Konsortium habe dem Kauf im Grundsatz zugestimmt, teilte Sony in der Nacht zum Dienstag mit. Die Bietergruppe, zu der neben Sony die Finanzinvestoren Providence Equity Partners, die Texas Pacific Group und DLJ Merchant Banking Partners gehören, zahlt 12 $ in bar je Aktie.

Time-Warner-Chef Dick Parsons hatte zuvor in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass MGM zwar eine "wertvolle Anlage" gewesen, der Kaufpreis jedoch zu hoch gewesen sei. Bis zum Wochenende hatte Time Warner als Favorit gegolten, doch die Japaner legten noch einmal nach und übertrafen damit die Amerikaner. Der US-Medienkonzern soll 4,6 Mrd. $ für MGM geboten haben.

Doch was bedeutet dies nun konkret für die James Bond-Reihe? Hollywood-Fachzeitschrift "Variety" berichtete im Anschluss exklusiv, dass die Rechte an den Bond-Filmen in einem separaten Deal mit der Broccoli-Familie ausgehandelt werden. Zudem heißt es, dass die Filme in Zukunft zwar mit Sony-Geld gedreht, aber weiterhin unter dem MGM-Label verliehen werden. Dies bedeutet konkret, dass wir auch bei Bond 21 wieder Leo den Löwen im Vorspann sehen, und nicht die "Columbia Lady". MGM ist nämlich nicht das erste Filmstudio, das Sony übernimmt, 1989 kaufte man bereits Columbia, die in der Regel die Sony Pictures-Produktionen verleihen.

Wohinter da der Sinn steckt, ist allerdings nicht bekannt. Alle anderen MGM-Sparten werden geschlossen und im Filmstudio wird nur eine kleine Abteilung für die Bond-Filme offen gehalten. Falls man dies aus traditionellen Gründen tut, warum verleiht man dann nicht die nächsten Bond-Filme unter dem Logo von "United Artists"? Bis 1981 wurden alle Bondfilme von UA verliehen, bis MGM das marode Studio 1982 aufkaufte.

Genau aus den schlechten Erfahrungen, die man 1982 machte, als der Bond-Verleih schon einmal verkauft wurde, könnte Eon klüger geworden sein. Es wird sogar vermutet, dass es Cubby Broccoli persönlich war, der damals eine Klausel im Deal mit MGM herausschlug, in der Eon das alleinige Verhandlungsrecht um die Bond-Rechte im Falle eines Verkaufes von MGM eingeräumt wurden.

Dies wiederum bedeutet konkret, dass es nun doch noch durchaus eine Weile dauern könnte, bis es Neuigkeiten zu Bond 21 gibt... Eon hat die ganze Zeit über so eisern über Bond 21 und zum Thema Brosnan geschwiegen, weil sie ihre eigenen Trümpfe in den Verhandlungen mit Sony ausspielen müssen. Und eben diese Verhandlungen könnten sich über die in der Branche obligatorischen vier bis sechs Monate ziehen, womit ein Drehstart Januar 2005 wohl in ganz weite Ferne rückt. Andereseits besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich beide Parteien schnell einig werden und wir schon in den nächsten Wochen konkrete offizielle Stellungnahmen von Eon zu hören bekommen. Oder wie Pierce Brosnan es ausdrücken würde: Die Situation ist noch ziemlich "opaque".

Sony hat übrigens in der Vergangenheit schon öfters versucht, Bond-Rechte zu ergattern. So kündigte man 1997 an, einen Gegen-Bond zu drehen, der sich auf die Bond-Rechten von Kevin McClory, der bereits 1983 "Sag Niemals Nie" als inoffiziellen Bond drehte, stützen sollte. Bis dann ein Richter feststellte, dass Kevin McClory gar keine Rechte mehr zustünden, und Sony sich wohl oder übel aus dem Projekt zurückziehen musste.

Gratulieren bleibt einzig und allein dem bisherigen MGM-Inhaber Kirk Kerkorian. Der hielt 74% der Aktien an MGM und darf sich jetzt über rund 2 Millarden Dollar Reingewinn freuen. Andererseits ist der 87jährige Australier bereits Multimilliardär. Sein Vermögen wird auf rund 8 Milliarden Dollar geschätzt.


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