22.03.2004
Pierce Brosnan greift Produzenten erneut an - der Ton wird derber...



Pierce Brosnan mit Ehefrau
Keely bei der Oscar-Verleihung


Vergangene Woche berichtete all time high über das Interview von Pierce Brosnan mit dem amerikanischen TV-Sender AMC und die darin ausgesprochenen Äußerungen, die Produzenten seien "paralysiert" und wüssten nicht, was zu tun sei...

Nun hat sich der irische Schauspieler erneut in einem Interview mit Filmmagazin CHUD ("Cinematic Happenings Under Development") zu einigen noch heftigeren Äußerungen über das Produzentenduo hinreißen lassen, dabei kritisierte Brosnan ganz gezielt Michael G. Wilson...

In seinen neusten Statements lässt Brosnan wieder viel zwischen den Zeilen erahnen. Allerdings machen deutliche Schlagworte wie "die Produzenten haben eine Sackgasse erreicht" selbst hartgesottenen Bond-Fans nicht gerade Mut für die Zukunft. Brosnan selbst gibt sich nach wie vor zwiespältig. Einerseits räumt er ein, gerne noch ein abschließendes Abenteuer drehen zu wollen, andererseits will er das offenbar nicht um jeden Preis. Er äußerte sich derart unverhohlen zu den Stolpersteinen in der B21-Produktion, dass man seine scharfzüngigen Kommentare in Richtung der Produzenten auch durchaus als Schlussworteseiner 007-Ära deuten kann.

Die Journalisten beim Press-Junket von "Laws Of Attraction" legten jedenfalls den Finger in jede Wunde. Angesprochen auf Michael Wilsons Scheu vor einem 007-Spionagethriller im Stile von "Liebesgrüße aus Moskau", ist offenbar Brosnans wunder Punkt genau getroffen. Er äußert sich frustriert darüber, dass die Produzenten das Gefühl hätten, sich ständig selbst toppen zu müssen - und zwar im Hinblick auf das (Effekt-)Spektakel, das ein 007-Film darstellt. Brosnan hingegen würde sich mehr Arbeit an den Charakteren und seiner Rolle wünschen, sowie eine echte Storyline und den Thriller-Aspekt, der Bond ja auch einmal inne wohnte. Allerdings will auch er kein dröges Kammerspiel, sondern schließt Gags, Explosionen und Girls durchaus in seine Wunschliste ein.


Pierce Brosnan - werden sich
seine Worte rächen?


Als Paradebeispiel nannte Brosnan die Anfangssequenz, nebst Gefangenschaft, in DAD - allerdings mit der Einschränkung, dass er ab dem Schauplatz Hongkong wieder in seiner "alten schauspielerischen Zwangsjacke" gesteckt habe. Und dieser Wendepunkt in der Geschichte kam ihm eindeutig zu früh. Brosnan führt die schnelle Rückkehr des Films in die übliche Formelhaftigkeit auf die Furcht der Produzenten zurück, sichere, bewährte Pfade bloß nicht für längere Zeit zu verlassen.

Auf eine bohrende Rückfrage der Reporter, ob es nicht vielleicht (heimliche) Gespräche der Produzenten mit neuen Kandidaten gäbe, machte Brosnan ein paar eindeutige Gesten und lächelte ein wissendes Lächeln: "Was für ein Spiel! Ich dachte, dass sie mein Freund wäre. Ich dachte, dass wir Freunde wären." Dabei machte er eindeutige Gesten als ob er ein Messer aus seinem Rücken ziehen würde. "Das gehört ihnen, glaube ich." Dazu kann sich jeder Fan seine eigenen Gedanken machen...

Über den derzeitigen Stillstand in der B21-Produktion, zeigte sich Brosnans allerdings überrascht. Man habe den 5. Film in Angriff genommen und die "Lähmungserscheinungen" seien recht plötzlich aufgetreten. Auf die Frage, was er davon halte, dass Michael Wilson die Rechte an "Casino Royale" niemals für einen Film nutzen wolle, sondern maximal den Titel, meinte Brosnan: "Nun gut, dass ist natürlich albern. Es ist blanker Schwachsinn, denn "Casino Royale" ist das so etwas wie die Blaupause für den Bond-Charakter. Wenn man dieses Buch betrachtet, findet man mehr über James Bond heraus als in jedem anderen Roman. Aber hey, sie [die Broccolis] sind eine wundervolle Familie, die diese Sache seit Jahren auf ihre Art und Weise abwickelt. Und sie sind nun an einem Punkt, an dem sie einen großen Verlust durch das Hinscheiden ihrer Mutter erlitten haben. Sie sind eine italienische Familie, eine amerikanische Familie und sie sind in einer einzigartigen Position, die niemand in der Gemeinde Hollywood hat: Sie haben die volle Kontrolle über ihr Franchise. Ich weiß nicht, was passieren wird. Ich habe keine Ahnung..."

Sprach's und widmete sich anderen Themen..


Im Anschluss das Original-Interview in deutscher Fassung:



CHUD: [...] Aber Sie werden ja noch mindestens einen weiteren Bondfilm machen. Gibt es noch irgendetwas, was Sie gerne mit dem Charakter [des James Bond] machen würden?

Brosnan: Nun ja... Im Moment sieht es so aus, als hätten wir uns eine kleine Auszeit genommen. Die Produzenten stecken in einer Sackgasse, so viel ich mir zu beurteilen zutraue. Sie wissen nicht, was zu tun ist. Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll. Da hat so etwas wie eine Lähmung eingesetzt. Für mich geht es wie gewohnt weiter. Ich sollte mich einfach um meine Arbeit kümmern... Wissen Sie, ich würde sehr gerne einen fünften Film machen, aber wenn der letzte Film wirklich schon der Letzte war, dann kann ich es auch nicht ändern.

CHUD: Wir haben an dieser Stelle schon einmal über die Scheu von Michael G. Wilson gesprochen, einen Film à "Liebesgrüße aus Moskau" zu machen. Und das denke ich, ist ein wirkliches Problem...

Brosnan: Ja, es ist sehr frustrierend. Sie [die Produzenten] denken, sie müssten sich in einem Genre, mit dem sich nun mal sehr viel Geld verdienen lässt, sich immer wieder selbst
übertrumfen. Würden die mich fragen: jeder sollte einfach seinen eigenen Kuchen essen. Es ist in der Tat möglich, gute Arbeit an den Charakteren zu leisten, eine gute Story zu drehen, zusammen mit der ganzen Technik, den Explosionen und den Frauen. Ich liebe "Liebesgrüße aus Moskau". In der Tat einer der besten Filme.

CHUD: Also wollten Sie in einem weiteren Film wieder sinnbildlich zurück zur Erde, so wie in "In tödlicher Mission"? Oder einfacher gefragt, würden Sie gerne einen Film mit weniger Effekten drehen?

Brosnan: Ich würde gernen einen Film machen, der mehr Charakterarbeit erfordert. Und mehr Story. Wir sind an Effekten einfach übebrsättigt. Ich mag den letzten Film wirklich verdammt gerne - bis zu den Hong Kong-Szenen. Dann hatte ich wieder meinen obligatorischen Anzug und die Zwangsjacke, genau *ihn* zu spielen, an.

CHUD: Wenn das Konzept geändert würde, würden Sie dann noch mehr als einen machen?

Brosnan: Wie gesagt, mein Vertrag ist ausgelaufen. Die Produzenten können machen was sie wollen.

CHUD: Sie sprechen dauernd von einer "Lähmung" - stehen die Produzenten in Verhandlungen mit einem anderen Schauspieler für die Rolle?

Brosnan: Sie behaupten, sie würden momentan keine Verhandlungen mit jemand anderem führen...

CHUD: ...oder würden Sie ihnen das einfach nur nicht sagen?

Brosnan (mit einem wissenden Lächerln im Gesicht): Ich wäre geneigt, weiterzumachen, wenn wir einen neuen Film à "Liebesgrüße aus Moskau" machen würden. Nun ja, wir hatten ja bereits über den fünften Film gesprochen. Diese Lähmung kommt auch für mich insofern überraschend.

CHUD: Nicht zu vergessen, die Produzenten sind endlich wieder im Besitz der "Casino Royale"-Rechte, aber Michael G. Wilson hat angedeutet, nichts vom Inhalt zu übernehmen und einfach nur den Titel für einen künftigen Bondfilm zu nutzen...

Brosnan: Ja, das ist einfach nur albern, mehr noch, das ist der bloße Wahnsinn, da "Casino Royale" als Prototyp für James Bond gesehen werden kann. Man muss ich das Buch nur einmal durchlesen, und man wird mehr über Bond's Charakter als in allen anderen Büchern zusammen finden. Aber hey - die Broccolis sind eine wundervolle Familie, die seit Jahrzehnten ihren eigenen Weg geht, und nun haben sie tragischerweise ihre Mutter verloren. Sie sind eine amerikanische Familie, dazu eine italienische, und sie sind in einer einzigartigen Position in Hollywood - sie haben totale Kontrolle über die Serie. Ich habe absolut keine Ahnung, wie es weitergehen wird.



all time high hält euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.