Sein Name: Broccoli. Abert R. Broccoli. Gennant Cubby. Er war derjenige, der die James-Bond-Romane Ian Flemings auf die Kinoleinwand brachte und 17 der bisherigen 20 offiziellen Bondfilme produzierte.


Cubby 1977 vor der von ihm
erschaffenen 007 Stage in den
Pinewood-Studios


Albert Romolo Broccoli, so sein vollständiger Name, wurde am 5. April 1909 in New York City geboren. Er wuchs auf Long Island auf und arbeitete zuerst auf der elterlichen Farm. Dort bauten die Broccolis - wie sollte es anders sein - Brokkoli an. Alberts Onkel Pasquale de Cicco, brachte das grüne Gemüse Ende des 19. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten. Daher sein Name. Seinen Spitznamen "Cubby" erhielt er schon recht früh. Er setzt sich zusammen aus dem englischen Wort für "dick, rundlich", "chubby", und einer etwas rundlichen Comicfigur, "Kabbible". "Es dauerte nicht lange bis einer meinen Klassenkameraden sagte, 'Seht doch mal Al Broccoli an, der sieht aus wie Kabbible.' So weit ich mich der Etymologie meines Spitznamens erinnere, nannten sie mich zuerst Kabbible, aber das wurde ihnen eines Tages zu lang und so kürzten sie es mit dem amerikanischen Hang zur Abkürzung zu 'Kabby'. Dies muss sich dann irgendwie im Verlauf linguistischer Abschleifungen und Vermischungen mit 'chubby' zu 'Cubby' geformt haben", so Broccoli 1981. [Zitat aus Erich Kocian: Die James Bond Filme, 7. Auflage, 1997, Heyne]


Cubby kocht für die Crew!


1938, kurz nach einem Urlaub in Kalifornien, von dem dem jungen Broccoli vor allem die glitzernde Welt Hollywoods in Erinnerung blieb, fing er beim Film an. Er wurde Assistant Director bei 20th Century Fox. Während den frühen 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, zog er nach London um und gründete "Warwick Productions", zusammen mit seinem Freund und Partner Irving Allen.

Seinen ersten Job als Produzent hatte Cubby 1953. In seinem ersten Film, "Red Beret", beschäftigte er u.a. Alan Ladd. Der Film wurde recht erfolgreich und plötzlich war Albert R. Broccoli wer.


Cubby am Set von
"In tödlicher Mission" 1981.


Broccoli war ein Fan der Ian-Fleming-Romane, seit deren ersten Erscheinen. Doch leider hatte sich jemand anderes, ein Produzent namens Harry Saltzman, die Verfilmungsrechte gesichert. Doch sein Glück war, dass Saltzman einen Partner suchte. Broccoli sagte direkt zu, und noch am gleichen Abend gründete man in London EON Productions. (Was übrigens nicht für "Everything or Noting" steht, wie von manchen Journalisten behauptet wurde und immer noch behauptet wird.)

Man überzeugte den Verleih United Artists davon, wie viel Potential im Fleming'schen Agenten stecke, und United Artists bewilligte schließlich 1 Million US-Dollar für "Dr. No".

Bond wurde schließlich - auch aufgrund der Marketingstrategien, die Cubby mitentwickelte - weltweit bekannt, und man schreibt Cubby das typische 007-Filmrezept zu: Exotische Orte, geniale Bösewichte, einfallsreiche Spielzeuge und mystische Frauengestalten.


Cubby und Ehefrau
Dana 1977.



Die erste Krise kam 1968. Sean Connery hatte aufgehört, den Agenten mit der Nummer 007 zu spielen, und George Lazenby konnte man nicht recht vermarkten. Sollte die James-Bond-Serie etwa am Ende sein? Nein.

Cubby und Saltzman offerierten Connery die damals schier unglaublich hohe Gage von 5 Millionen Mark, prozentualen Einspielergebnissen und zwei Filmen, die Connery für United Artists machen durfte - besetzen, Drehbuch auswählen, etc.

Bonds Popularitätskurve wuchs wieder, da Connery 1971 in "Diamantenfieber" 007 erneut spielte. Auch Broccolis Geldbörse wuchs wieder.


Cubby zusammen mit Timothy Dalton
und Maryam d'Abo bei der Premiere von
"Der Hauch des Todes" 1987 in Wien.


Bei der Auswahl des Connery-Nachfolgers ging man sorgsamer vor, und man fand in Roger Moore schließlich einen guten, neuen Bond, den das Publikum auch akzeptierte.

Außerhalb der Bondfilme verfilmte er u.a. das Ian Fleming-Kinderbuch "Chitty Chitty Bang Bang" mit Gert Fröbe (erneut brilliant) als bösem Baron.

1974, nach "Der Mann mit dem goldenen Colt", verkaufte Saltzman seine Anteile an EON an die United Artists, und Broccoli produzierte nun allein.

Doch das tat dem Erfolg der Serie keinen Abbruch. Für "Der Spion, der mich liebte", 1977, ließ er auf dem Gelände der Pinewood Studios nahe London extra eine neue Halle bauen: "007 Stage".

Während der Produktion zu "Der Spion, der mich liebte", stoß auch Broccolis Stiefsohn Michael G. Wilson zum stiefväterlichen Betrieb. Wilson übernahm viele Aufgaben in der Produktion, und sollte später Cubbys Nachfolger werden.


Cubby bekommt von Roger Moore den
Irving G. Thalberg-Award für sein Lebenswerk
bei der Oscarverleihung 1982.



1981 schloss er Frieden mit Harry Saltzman und lud ihn zur Premiere von "In tödlicher Mission" ein. Saltzman akzeptierte, kam zur Premiere und auch zur After-Show-Party. Cubby und Harry redeten an jenem Abend viel miteinander, sie hatten sich schließlich seit 6 Jahren nicht mehr gesehen. Sie bedauerten den Tod von Harry's Frau Jaqueline, die an Krebs gestorben war. Nach ihr und Broccolis Ehefrau, Dana, hatten die beiden ihre produktionstechnische Firma DANJAQ genannt.

Der letze 007-Film, dem Cubby Broccoli beiwohnen konnte, war "Lizenz zum Töten", 1989. Beim Dreh von "GoldenEye", 1995, war er zu krank, um dem Set beiwohnen zu können.

Albert R. Broccoli, genannt Cubby, verstarb an einem Donnerstag. Donnerstag, dem 27. Juni 1996 in seinem Haus in Beverly Hills. Er wurde 87 Jahre alt.




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